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Ettlinger Mühlengespräche: "Strom muss bezahlbar bleiben!"

geschrieben von Freitag, 13 April 2012 21:01
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Mühlengespräche Ettlingen. Werner Raab (mitte) gemeinsam mit den Referenten Dr. Gerd Hager (links) und Eberhard Oehler (rechts)Mühlengespräche Ettlingen. Werner Raab (mitte) gemeinsam mit den Referenten Dr. Gerd Hager (links) und Eberhard Oehler (rechts)

Am vergangenen Mittwoch richteten der Stadtverband der CDU gemeinsam mit der Mittelstandsvereinigung und den Stadtwerke Ettlingen erneut die "Gespräche in der Mühle" aus. Unter dem Thema: "Ist unser Strom überhaupt noch bezahlbar?", referierten der Verbandsdirektor der Region Mittlerer Oberrhein Dr. Gerd Hager, sowie der Geschäftsführer der Stadtwerke Ettlingen Eberhard Oehler. ...

 

Dr. Hager stellte zu Beginn objektiv die Strompreisbildung dar. Er zeigte auf, dass ein Großteil des Preises (47%) durch Steuern und Abgaben festgelegt wird. Die Energieerzeugung fließt zu 35% und die Leitungskosten zu 18% in den Preis mit ein. Jedoch werden die letzteren durch die kommende Energiewende massiv steigen. Er kritisierte, die pointierte Diskussion über die Energiewende nach der Tsunamikatastrophe in Japan, die zu dem Reaktorunglück in Fukushima führte. Für eine hochindustrialisierte Gesellschaft sei es gefährlich die Energiepolitik in einer derartigen Geschwindigkeit umzustellen. Ihm fehle ein Masterplan für die Energiewende. Bisher gäbe es nur gesteckte Werte, die bis zu gewissen Zeitpunkten erreicht sein sollen. Die Realisierung dieser sei bisher völlig unklar.

 

Hager betont, dass eine erfolgreiche Energiewende aus seiner Sicht nur möglich sei, wenn man die Bevölkerung mit einbezieht. Insbesondere bei der Ausweisung von potentiellen Flächen für die Windkraft, muss seitens der Landesregierung eine klare Aussage getroffen werden. Er spricht sich dafür aus, dass der Bevölkerung deutlich darstellt werden muss, wo sie mit Windkraftanlagen zu rechnen hat, aber gleichermaßen auch, wo sie definitiv nicht gebaut werden. Als Verbotszonen nannte er unmittelbare Flächen zu Kulturdenkmälern, wie zum Beispiel dem Heidelberger Schloss. Nur auf diese transparente Weise kann die Energiewende auch bürgernah und möglichst protestfrei von statten gehen.

 

Im Anschluss ging Eberhard Oehler auf die Bezahlbarkeit der Energiewende aus Sicht der Stadtwerke ein. Er betont, dass schon heute immer mehr Menschen ihren Strom nicht mehr bezahlen können. Wenn diese Entwicklung so weiter geht, werden bald staatliche Subventionen für sozial Schwache notwendig. Oehler stellte dar, dass die Zusammensetzung des Strompreises größtenteils durch staatliche Regelungen entsteht. Lediglich 31% des Strompreises werden durch das Energieunternehmen selbst beeinflusst.

 

Auch er warnte vor den Folgen des kommenden Energiewandels. Bereits heute sind 460 Pholtovoltaik Anlagen in Ettlingen in Betrieb. Diese Entwicklung macht Netzertüchtigungsarbeiten für eine stabile dezentrale Energieversorgung notwendig. Er verdeutlichte, dass 50% (6 Milliarden €) des Steueraufkommens durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz in die Förderung der Photovoltaik fließen. Diese jedoch nur zu 3% an der Gesamtstromerzeugung beteiligt sind. Hier sieht er erheblichen Verbesserungsbedarf.

 

Ebenso bezweifelt Oehler die Umsetzbarkeit des geplanten Ausbaus der Windkraft in Baden-Württemberg. Von seitens der Landesregierung sind 1200 Windräder bis 2020 geplant. Aktuell sind 100 Windkraftwerke in Betrieb. Dies bedeutet einen durchschnittlichen jährlichen Zuwachs von etwa 160 Anlagen in sieben Jahren. Pro Jahr also mehr, als im Land aktuell betrieben werden.

 

In Bezug auf den Energiebedarf waren sich beide Redner einig. Auch wenn durch neue Technologien der Energiebedarf pro Gerät sinkt, so wird der Gesamtverbrauch dennoch deutlich steigen. Als Beispiel erwähnten sie die Anzahl PCs pro Haushalt, das steigende Aufkommen von E-Bikes oder Elektroautos und weiterer High-Tech Produkte. Allein das tägliche e-Mail Aufkommen von 70-80 Milliarden weltweit verbraucht den Strom von sechs Kernkraftwerken. Ein Rückgang des Energiebedarfs ist also kaum zu erwarten.

 

Die anschließende sechzigminütige Diskussion zeigte das große Interesse des Auditoriums an diesem hochaktuellen Thema.

 

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