Christiane Staab wusste aus ihrem reichhaltigen Erfahrungsschatz als ehemalige Landeselternbeirätin und als Karlsruher Stadträtin zu berichten, dass es viele gute Ideen, Vorschläge und Projekte im Land gäbe, um die Bildungssituation in Baden-Württemberg zu verbessern. Problematisch sei jedoch, dass diese nicht mit Inhalten gefüllt würden und konzeptionslos vor sich hin dümpelten. Viele Pilotprojekte entstünden in dieser Zeit, aber sie würden oftmals nicht adäquat in der Fläche umgesetzt. Um Bildung wirklich nachhaltig zu verbessern und um unser System den aktuellen Bedürfnissen im Land optimal anpassen zu können, forderte Frau Staab eine effiziente Feedback-Kultur unter Einbeziehung bestehender Studien und vor allem der betroffenen Bürger im Land.
Frau Staab teilte die auch von den Mitgliedern der Frauen Union gemachten Erfahrungen, dass es viel Unzufriedenheit bei Eltern und Schülern mit dem momentanen Zustand unseres Bildungssystems gäbe: Viel zu viele Kinder fielen durchs Raster oder benötigten Nachhilfe; Eltern und Schüler fänden mit ihren Anliegen und Vorschlägen zu wenig Beachtung.
Bestes Beispiel dafür sei die Einführung der französischen Sprache in der Grundschule gewesen. Nur durch massiven, zeitaufwendigen Widerstand der Eltern konnte die Einführung von Französisch als verpflichtende erste Fremdsprache in der 5. Klasse entlang der Rheinschiene verhindert werden – aber das Grundschulfranzösisch existiert hingegen immer noch!
Jedes gute System benötige auch eine externe Kontrolle und konstruktive Kritik, um sich optimieren zu können, aber die Evaluation, die jetzt im Auftrag des Landes an vielen Schulen intern durchgeführt würde, entartete zur Farce, wenn ein System sich selbst evaluiert. Man war sich in der Runde um Frau Staab weiter darin einig, dass der Beruf des Lehrers mehr Wertschätzung bedürfe, um auch die Besten des Landes motivieren zu können, im Bildungssystem zu arbeiten. Nur dafür müsste eben der Lehrerberuf attraktiver gestaltet werden. Dies erreiche man nur durch eine geeignete Auswahl dieser Berufsanwärter, eine sich ständig optimierende Ausbildung mit fundierten fachlichen und pädagogischen Inhalten, verbindlichen Fortbildungen und einer Überprüfung der Unterrichtsqualität mit einer positiven Feedbackkultur im Lande, in die auch Schüler und Eltern einbezogen würden. Solange man sich den Problemen im Bildungsalltag nicht aktiv seitens der Politik stellen würde, solange stünde Ratlosigkeit und damit auch Handlungsunfähigkeit sowie Stagnation auf der Tagesordnung.
Der Abend mit Frau Staab zeigte, dass auch im „Musterländle“ im Bereich Bildungspolitik innerhalb unseres dreigliedrigen Schulsystems vieles optimiert werden müsste, wenn wir weiterhin führend unter den Bundesländern bleiben und im internationalen Vergleich auch mittel- und langfristig mithalten wollten. Die FU werde sich im Rahmen ihrer politischen Arbeit weiterhin dafür einsetzen, dass gute Ideen und Verbesserungsvorschläge an Institutionen und Politiker herangetragen werden, damit diese dann im Idealfall auch gehört und ggf. umgesetzt werden können.

