Zu dieser Zeit fanden an den weiterführenden Schulen die Abschlussprüfungen statt und Absolventen und Eltern des G 8/G 9-Doppeljahrgangs beschäftigten sich neben der Sorge um die persönliche Abschlussnote auch noch mit der Frage, ob auch wirklich alle BewerberInnen einen Ausbildungs- oder Studienplatz bekommen.
Ziel der Veranstaltung war es, Schüler und Eltern über die aktuelle Situation aus erster Hand zu informieren und die Vertreter von Schulen, Hochschulen und der Politik zu befragen, welche Vorbereitungen getroffen wurden, um die hohe Zahl an Absolventen des Doppeljahrgangs und die zusätzlich durch die Aussetzung des Wehr- und Zivildienstes auf den Markt drängenden Bewerber aufnehmen zu können.
Das Podium war hochkarätig besetzt: Ulrike Gargel, Leiterin der Wilhelm-Lorenz-Realschule Ettlingen, Katrin Schütz, CDU-Landtagsabgeordnete aus Karlsruhe, Prof. Dr. -Ing. Jürgen Becker von der Universität Karlsruhe/KIT, Prof. Dr. Georg Richter von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg-Karlsruhe und Peter Münz, Leiter der Albert-Einstein-Schule Ettlingen, diskutierten über die Aussichten für die Absolventen des G 8/G 9-Doppeljahrgangs, die Aussetzung der Wehrpflicht und die damit verbundenen Folgen für die Hochschulen und den Ausbildungsmarkt.
Ulrike Kayser, Vorsitzende der Frauen Union Ettlingen, moderierte die Veranstaltung. Sie begrüßte unter den Gästen den Ettlinger Bürgermeister Thomas Fedrow, Herrn Karle von der Agentur für Arbeit Ettlingen, Ettlinger Gemeinderätinnen und Gemeinderäte, den Vorsitzenden des Gesamtelternbeirats Ettlingen, Herrn Krüger, sowie die Gesamtschülersprecherin Ettlingens, Asley Kühn.
Im Mittelpunkt der einführenden Statements der Podiumsteilnehmer stand die Versicherung, dass von Seiten der Politik und der Hochschulen alle erdenklichen Anstrengungen unternommen worden sind, um die große Zahl der Bewerberinnen und Bewerber in 2011 und 2012 aufnehmen zu können. Dabei war man sich einig, dass die größere Zahl von Bewerbungen in 2011 zu erwarten sei, da in diesem Jahr Bayern und Niedersachsen mit Doppeljahrgängen auf den Markt drängen. Entsprechend dem von Hochschulen, der Industrie- und Handelskammer und dem Wissenschaftsministerium gemeinsam erarbeiteten Masterplan 2012 seien die Kapazitäten in Baden-Württemberg erweitert worden.
Die anwesenden Hochschulvertreter berichteten von einer zunehmenden Verunsicherung der Bewerber angesichts der Vielfalt der Hochschullandschaft und der Auswahl an Studiengängen. Die Kenntnisse beschränkten sich vielfach auf die „klassischen“ Studiengänge, wobei die Wirtschaftswissenschaften „Spitzenreiter“ des Interesses seien. Die Schulleiter und die Vertreter der Dualen Hochschule und der Universität stellten einhellig fest, dass die Absolventen heutzutage gerade bei der Berufswahl oftmals überfordert und deshalb besonders auf die Unterstützung der Eltern, Schulen und Berufsinformationszentren angewiesen sind. Problematisch seien die Fülle der Informationen, das Angebot an (neuen) Berufen und das Fehlen eines einheitlichen Informationsportals.
Alle Podiumsgäste ermunterten nachdrücklich insbesondere die Studienbewerberinnen, sich für ingenieurwissenschaftliche und technische Studiengänge zu bewerben. Hier bestehe ein erheblicher Bedarf seitens der Wirtschaft und gleichzeitig eine hohe Arbeitsplatzsicherheit. In den sog. „MINT-Studiengängen“ (MINT = Initialwort für die Fachgebiete Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) gäbe es viele freie Studienplätze.
Sorge bereitete den Vertretern der Hochschulen die Absicht der neuen rot-grünen Landesregierung, die Studiengebühren abzuschaffen. Um die Kapazitäten halten zu können, sei eine Kompensation des Landes für die wegfallenden Einnahmen unerlässlich.
Im Verlauf des Abends entspannte sich eine lebhafte Diskussion zwischen den Podiumsteilnehmern und dem interessierten Publikum. Die Podiumsteilnehmer standen zu allen Fragen Rede und Antwort, so dass die Gäste neue Informationen, wertvolle Tipps sowie eine Einschätzung der aktuellen Situation der Fachleute mit nach Hause nehmen konnten.
Als Fazit der Veranstaltung kann festgehalten werden, dass voraussichtlich alle Absolventen dieses Jahrgangs trotz der schwierigen Situation einen Ausbildungs- bzw. Studienplatz bekommen werden, allerdings vielleicht nicht immer den gewünschten. Hier gilt es, flexibel zu sein und sich bei der Berufswahl zuvor ausgiebig zu informieren, ggf. sogar Praktika zu machen und frühzeitig über Alternativen nachzudenken. Da bereits heute in einigen Branchen Fachkräftemangel herrscht und sich dieses Problem aufgrund der demographischen Entwicklung zukünftig noch verstärken wird, sei man gut beraten, einen Beruf aus dieser Gruppe zu wählen.
Auf die abschließende Frage, ob eine Reform unseres Schulsystems notwendig sei, um die aktuellen Probleme in den Griff zu bekommen, antworteten die Podiumsteilnehmer übereinstimmend, dass sich die hiesige Lernkultur verändern werde und dass es Ziel sein müsse, die Lehrpläne zu entfrachten, den Kindern die richtige Lerntechnik zu vermitteln und diesen wieder den fragenden Geist, ihre angeborene Neugier sowie den Spaß am (lebenslangen) Lernen zu wecken.
Die Gäste und der Veranstalter waren mit der Podiumsdiskussion hoch zufrieden. Die Frauen Union Ettlingen wird daher ihre Veranstaltungsreihe zu aktuellen Themen auch zukünftig fortsetzen.
