Eingangs führte der Bruchhausener Ortsvorsteher Helmut Haas in seinem Grußwort aus, dass der Ortschaftsrat sich bereits mit dem Thema befasst habe: Die angestrebte Kooperation zwischen Kindergarten und Grundschule nach der Konzeption eines Bildungshauses würde von allen Fraktionen des Ortschaftsrates einhellig unterstützt.
Anschließend gab Bürgermeister Fedrow einen Überblick über die Bildungs- und Betreuungsstrukturen in Ettlingen. Das Ziel des Bildungshauskonzeptes sei die bruchlose Bildungsbiografie. Das Bildungshaus sei auch eine Antwort auf die demographische Entwicklung: Immer mehr Kinder wachsen als Einzelkinder in Kleinfamilien auf und erlernen Fähigkeiten und Kompetenzen nicht mehr, die früher im großen Familienverbund noch ganz selbstverständlich erlernt wurden. Er erklärte sich uneingeschränkt als Befürworter des Bildungshauses, verwies aber mit Blick auf die Haushaltssituation der Stadt auch auf die besonderen Standards im Bildungshauskonzept und - mit Blick auf die anwesenden Gemeinde- und Ortschaftsräte - auf die damit auf die Stadt als Träger zukommenden Kosten. Die Stadt habe für eine gleichwertige (Personal-) Ausstattung in allen ihren Einrichtungen zu sorgen.
Schulamtsdirektorin Groß erläuterte die Grundsätze der Arbeit im Bildungshaus. Anders als bei anderen Kooperationen finde die Zusammenarbeit zwischen Kindergarten und Grundschule nicht punktuell und gelegentlich, sondern institutionalisiert und dauerhaft in einem festen Rahmen statt. Zentrale Elemente des Konzeptes seien gemeinsame Ziele, Teamorientierung der Erzieher und Lehrkräfte, Lernen in einrichtungs- und jahrgangsübergreifenden Lern- und Spielgruppen, die Stärkung der Erziehungspartnerschaft mit den Eltern und ein regelmäßiger Entwicklungsbericht.
Als leidenschaftlicher Befürworter des Bildungshauses erwies sich der Leiter der Tullasschule Karlsruhe, Michael Brischar. Er bezeichnete das Bildungshaus als „das größte bildungspolitische Projekt Deutschlands“. Nach Generationen des Nebeneinanders von Kindergarten und Schule sollten diese nun zusammenarbeiten. Viele Überzeugungsarbeit sei zu leisten, viele Hürden und Vorbehalte seien zu überwinden. Anschaulich beschrieb er, wie Kinder der Jahrgänge 1 und 2 der Tullaschule in jahrgangsgemischten Gruppen mit jeweils einer Kindergartengruppe des benachbarten St. Bernhard-Kindergartens viermal wöchentlich erfolgreich zusammen lernen würden. Lediglich der Mathematikunterricht sei von der Kooperation ausgenommen. Handlungsmaxime im Bildungshaus sei die „Förderung der Stärken“ anstatt der Defizitbereinigung. Übergänge in die Schule seien im Bildungshaus abhängig von der Reife des Kindes flexibel unabhängig von Stichtagen möglich. Zurückstellungen von der Einschulung gebe es im Bildungshaus nicht. Fachliche und soziale Komponenten ergänzten sich im Bildungshaus in vorbildlicher Weise. Brischar unterstrich den großen Wert der wissenschaftlichen Begleitung durch das Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen (ZNL), Ulm, das den Teambildungs- und den Zielvereinbarungsprozess fortlaufend unterstützt habe. Dieses Coaching sei überaus hilfreich gewesen.
In der sich anschließenden lebhaften Diskussion nahm eine Sorge breiten Raum ein, nämlich dass die Schulkinder im Bildungshaus unterfordert und die Kindergartenkinder überfordert werden könnten. Brischar trat dem entgegen. Sozialkompetenz und Selbständigkeit würden an erster Stelle gefördert. Die wissenschaftliche Begleitung belege den Erfolg des Bildungshaus-Konzeptes: Die Modellschule sei der Vergleichsschule deutlich überlegen.
Anwesende Erzieherinnen äußerten die Sorge, dass die Hauptlast des Bildungshauses die Erzieherinnen zu tragen hätten, da lediglich die Schulen zusätzliche Personalressourcen erhielten.
Auf die Frage, inwieweit die angehenden ErzieherInnen und LehrerInnen auf diese neuen Entwicklungen vorbereitet seien, verwies MdL Werner Raab auf den Modellcharakter des Bildungshauses. Dieses Projekt stehe noch ganz am Anfang – die ersten zehn Bildungshäuser seien Anfang 2008 an den Start gegangen. Er verdeutlichte die Relation der bisher 33 Modellschulen im Vergleich zu den vielen Grundschulen und Kindergärten, die in bewährter Weise in den herkömmlichen Strukturen arbeiten. Erst nach Abschluss der Modellphase sei zu entscheiden, inwieweit die Ansätze der Bildungshauses als Standards übernommen werden und Eingang in die Ausbildungs- und Studienordnungen erhalten.
Für Diskussionen sorgte auch die Finanzierung der wissenschaftlichen Begleitung: Schulamtsdirektorin Groß verdeutlichte, dass ausweislich der Pressemitteilung des Kultusministeriums das Land bei neuen Bildungshäusern keine Prozessbegleitung mehr finanziere.
Die Veranstaltung verdeutlichte, dass noch viele Schritte getan werden müssen, bis eine praktische Umsetzung vor Ort möglich sein wird. Entscheidend für das Gelingen sind der gemeinsame Wille der beteiligten Einrichtungen und ein breiter Konsens aller Akteure in der Stadt und vor allem im Gemeinderat. Die Vorträge und Diskussionsbeiträge bei der Veranstaltung der Frauen Union Ettlingen gaben wertvolle Orientierung in dem laufenden Entscheidungsprozess in der Stadt Ettlingen.
Informationen zum Bildungshaus finden Sie auf den Internetseiten des Landes www.kultusportal-bw.de , www.bildungsserver.de und auf den Seiten des Transferzentrums für Neurowissenschaften und Lernen ZNL Ulm, das mit der wissenschaftlichen Begleitung beauftragt ist, www.znl-bildungshaus.de .
Die Präsentationen der Referenten können per Mail angefordert werden bei Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! .
