Er sieht im dreigliedrigen Schulsystem die Voraussetzung unterschiedlich begabte Kinder und Jugendliche besser und individueller nach ihrem jeweiligen Entwicklungsstand zu fördern. Auf unterschiedlichen Wegen und verschiedenen Bildungsplänen kann die Ausbildungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler durch Schwerpunkte in den Fächern Deutsch und Mathematik gestärkt werden.
Trotzdem, so Dr. Schnatterbeck, gibt es auch heute immer noch eine zu große Gruppe an Schulabbrechern. 17 - 25 Prozent der Jugendlichen gehören einer Risikogruppe an, denen es kaum möglich ist, eine normale Schulausbildung zu absolvieren. „Oftmals liegen die Gründe hierfür auch und vor allem an der Erziehungsschwäche mancher Eltern“, so Schnatterbeck weiter. Von den 5,47 Prozent Nicht-Absolventen der Hauptschulen, sind 2/3 Sonderschüler. Dies ist im Vergleich zu den Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern (15,9 Prozent) und Sachsen (11,8 Prozent) zwar ein geringer Anteil, doch ist er immer noch zu hoch.
Gleichzeitig warnt Schnatterbeck davor, die Hauptschule als Sackgasse bzw. „Restschule“ zu sehen. „Wer dies verbreitet, schadet den Schülerinnen und Schülern, die keinen Gegenwind sondern vielmehr Rückenwind verdienen“. Im Allgemeinen muss dem Schulsystem viel mehr Vertrauen und der Wille zur Zusammenarbeit zwischen Eltern und Schulen entgegen gebracht werden. Denn entscheidend ist was im Unterricht statt findet bzw. was der einzelne Lehrer leistet, nicht die jeweilige Schulstruktur.
Die leitende Schulamtsdirektorin vom staatlichen Schulamt Karlsruhe Frau Elisabeth Groß, veranschaulichte im weiteren Verlauf des Abends anhand einer sehr gelungenen Präsentation die Ziele und die Chancen, welche die neue und in der Bundesrepublik einmalige Werkrealschule, birgt. „Mehr Chancengleichheit durch individuelle Förderung und die frühzeitige Verzahnung mit Gewerbebetrieben ist ein zentrales Ziel dieser Bildungspolitik“, so Elisabeth Groß und Dr. Manfred Hofmann von der MIT Karlsruhe Land. „Die Werkrealschule macht diesen Anspruch zum pädagogischen Leitprinzip: die Begabungen der Schülerinnen und Schüler zu erkennen, fördern und so zu einem gelingenden schulischen Werdegang beizutragen“, erklärt Groß weiter.
Außerdem verweist Sie auf die gute Resonanz der Werkrealschule. Von 250 Schulträgern haben bereits 124 die Genehmigung auf ihren Antrag auf die Einrichtung einer Werkrealschule erhalten. Nur ein Antrag wurde bislang abgelehnt.
Für den Ettlinger Landtagsabgeordneten Werner Raab ist die Frage des Schulsystems zweitrangig, wesentlich mehr kommt es aus seiner Sicht darauf an, Lehrerinnen und Lehrer in ihrer täglichen Arbeit zu unterstützen. Fragen der Fort- und Weiterbildung, der schulinternen Führung durch die Schulleiter und eine sinnvolle Gesundheitsprävention seien die Schlüsselworte der Zukunft.
„Wer eine erfolgreiche Schulkarriere der Kinder möchte, muss zu allererst das Personal in die Lage versetzen, inhaltlich und persönlich den täglichen hohen Anforderungen und den Herausforderungen der Schülerinnen und Schüler gerecht zu werden. Gezielte und individuelle Fortbildungsangebote müssen aus Personalgesprächen heraus entwickelt werden um Defizite erst gar nicht entstehen zu lassen“, fordert MdL Werner Raab
