Im KIT, in dem sich diese beiden Einrichtungen im Sommer 2009 zusammenschließen werden, würden also hochrangige und international anerkannte Wissenschaftler gemeinsam auf diesem Feld arbeiten.
Wollersheim stellte dar, dass uns nanotechnische Produkte schon seit längerem im Alltag begegnen. So würden in Sonnencremes Nanopartikel besser vor Sonnenbrand und Hautkrebs schützen, als dies herkömmliche Werkstoffe könnten. Auch in modernen Bratpfannenbeschichtung, bei hochwertigen Tennisschlägern sowie leistungsfähigen Batterien von Hybridfahrzeugen würde diese Technologie vermehrt Einzug halten. Überhaupt bleibe festzuhalten, dass Kohlenstoffnanoröhrchen zuerst in interstellarem Staub und anschließend an vielen weiteren Stellen auf der Erde gefunden wurden. Es hätte sie also schon lange, bevor die Menschheit auf die Bühne trat, in der freien Natur gegeben.
Die Wissenschaftler selbst sähen, auch auf der internationalen Ebene, große Forschungschancen. Dies könne man schon daran sehen, dass sich in nur 10 Jahren die Anzahl wissenschaftlicher Veröffentlichungen etwa um das 40-fache gesteigert habe. Aber auch in der Medizin gäbe es viele Forschungsarbeiten zu nanotechnologischen Produkten, die zu diagnostischen oder therapeutischen Zwecken eingesetzt werden. Zur Krebsbehandlung setze man heute ebenfalls bereits Nanotechnologie ein, wobei klinische Studien recht erfolgreich verlaufen würden.
Wollersheim beleuchtete aber auch eingehend mögliche Risiken. Die Befürchtungen, die mit der Technologie in Verbindung gebracht würden, beruhten zumeist auf den Auswirkungen der hohen spezifischen Oberfläche (Oberfläche pro Gewicht). Wenige Gramm eines Nanopartikelchens hätten in ihrer Gesamtheit die gleiche Oberfläche wie ein Fußballfeld. So könnten Nano-Palladium-Teilchen leicht und unter Umständen heftig mit ihrer Umwelt reagieren, sich z.B. auch an der Luft selbst entzünden. Allerdings wäre dies nur ein technisches Problem, denn in der Natur würden sich Nanopartikel genau aus dieser Reaktivität heraus schnell an andere Teilchen anlagern und somit von selbst ungefährlich werden. Nanoteilchen könnten aber bei unsachgemäßer Handhabung auch in die Lunge eindringen. Allerdings gäbe es auch im Ruß und im Gummiabrieb von Reifen seit über 100 Jahren Nanoteilchen, deren Risiken gut abschätzbar seien. Das Gleiche gelte für den Bereich der Lebensmittel, wo Nanopartikel schon seit Dutzenden von Jahren die Grundlage für die guten Fließeigenschaften von Ketchup bilden würde - ebenfalls ohne nachgewiesene schädliche Einflüsse auf den Menschen. Überhaupt bliebe festzustellen, dass bis heute durch Nanoteilchen keine für den Menschen schädlichen Reaktionen nachgewiesen werden könne. Auch bei kosmetischen Cremes, die Nanopartikeln enthalten würden, habe man festgestellt, dass diese nicht in die Haut und die angrenzenden Zellen eindringen würden. Trotzdem das Bundesinstitut für Risikofragen die Unbedenklichkeit von nanotechnologischen Produkten festgestellt habe wäre er der Auffassung, dass trotzdem aus Sicherheitsgründen beim Einsatz in Sprays und in Lebensmitteln große Vorsicht angebracht sei, so Wollersheim.
Als Einleitung zur anschließenden Diskussion wies Raab auf das Projekt "Nanovalley.eu" hin, ein Forschungscluster der Technologieregion Karlsruhe mit der Metropolregion Rhein-Neckar auf dem Gebiet der Nanotechnologie, das das Land gerade auf den Weg gebracht habe. Wollersheim betonte dabei, dass Deutschland gerade im Vergleich mit anderen europäischen Ländern bei der Unterstützung durch die Regierung gut da stehen würde. Dies gelte auch für die Arbeit der Landesregierung.
Von den Zuhörern wurden daraufhin sowohl Chancen als auch Risiken eingehend hinterfragt. "Smart Dust", d.h. kleine Nanoroboter, die zusammen in großen Mengen agieren, seien jenseits dessen, was sich Wissenschaftler heute vorstellen könnten und daher nur in Science-Fiction-Literatur zu finden. Bei der Frage nach Nano-Sprays, wie sie heute schon im Angebot eineiger Firmen seien, verwies Wollersheim darauf, dass entweder die Sprays Nanotechnologie enthalten würden und man sie daher nicht einsetzen solle, oder sie würden keine Nanotechnologie enthalten, dann seien sie aber unwirksam.
Auf die Frage, warum es in Deutschland so sei, dass wissenschaftliche Errungenschaften nicht ihren Weg in die wirtschaftliche Umsetzung finden würde antwortete der Referent, es könnte daran liegen, dass in den Naturwissenschaften Forschung und Wirtschaft immer noch personell und strukturell klar getrennt seinen und personelle Verflechtungen sehr selten seien.

